Gründung der „Gemeinnützigen Aktien-Baugesellschaft für den Landkreis Crefeld“ in Crefeld. Das Ausgangseigenkapital beträgt 295.460 Mark, wovon sich 64% auf den Landkreis Crefeld und die angehörigen Gemeinden verteilen, der Rest von Privaten gehalten wurde.
Auszug aus dem Statut:
„Zweck der Gesellschaft ist: den unbemittelten Einwohnern des Landkreises Crefeld billige, gesunde und gut eingerichtete, das Familienleben fördernde Wohnungen zu beschaffen. Gegenstand des Unternehmens bilden daher der Erwerb, die Veräußerung und die Vermietung von Grundstücken nebst Wohnhäusern, die Errichtung von Wohnhäusern sowie die Herstellung, die Anschaffung und die Veräußerung von Baumaterialien.“
Am Ende des ersten Geschäftsjahres waren 57 Häuser, meist Einfamilienhäuser, bezugsfertig. Als erster Neubau gilt ein 1901 errichtetes Miethaus in Osterath, Strümper Straße.
1914
Bis zum Beginn des Ersten Weltkrieges hatte die Gesellschaft 246 Häuser gebaut, wovon 81 Häuser an Eigentümer übereignet wurden.
1923
Inflation. Zum Bilanzstichtag 31. Dezember wurde die Bilanz als eine Mischung von Gold- und Papiermark in Friedens- und Inflationswerten dargestellt. Sie schloss mit einem Reingewinn von rund 779 Billionen Mark ab, gleich 0,062% des Aktienkapitals.
1929
Im Zuge der kommunalen Neugliederung wurde der Landkreis Krefeld aufgelöst. Uerdingen, Fischeln und Traar wurden in die Stadt Krefeld eingemeindet. Der Rest des Landkreises Krefeld wurde mit dem Landkreis Kempen zum neuen Landkreis Kempen-Krefeld zusammengelegt. Der Landkreis Kempen-Krefeld, nun mehr der Zuständigkeitsbereich der GWG, umfasste den heutigen Kreis Viersen ohne die Gemeinde Niederkrüchten, dafür aber mit den Gemeinden Osterath und Lank. Das Unternehmen besaß in diesem Gebiet 412 Häuser mit 676 Wohnungen.
1939
Zu Beginn des Zweiten Weltkrieges war die Gesellschaft im Besitz von 420 Häusern mit 797 Wohnungen.
1941
Der Reichskommissar für den Sozialen Wohnungsbau verordnete am 14. November die Zusammenlegung von Gemeinnützigen Wohnungsbaugesellschaften. Die GWG nahm den Spar- und Bauverein eGmbH Osterath und die Gemeinnützige Baugenossenschaft Vorst eGmbH auf.
1943
Am 13. Mai beschloss die Generalversammlung die Änderung des Firmennamens in „Gemeinnützige Wohnungsgesellschaft für den Landkreis Kempen-Krefeld AG mit dem Sitz in Krefeld“.
Bei einem Bombenangriff auf Krefeld wurden am 22. Juni auch die Geschäftsräume der GWG zerstört und mit dem Büroinventar die meisten Aktenunterlagen. Beim Häuserbestand hatte die GWG jedoch Glück; lediglich zwei Gebäude wurden total zerstört. Die Teilzerstörungen beliefen sich im Wert auf 269.000 RM.
1944
Am 10. August fand im Krefelder Hotel Gompertz die 89. Sitzung des Aufsichtsrates statt. Es sollte zugleich die letzte für die nächsten vier Jahre sein.
Zitat aus dem Sitzungsprotokoll:
„In Willich sind auf unseren Grundstücken neun Holzhäuser errichtet mit einem Kostenaufwand von je 1.700 Mark. Der Betrag von 15.300 Mark ist uns vom Finanzamt aufgrund der Baukarten bereits ausgezahlt. Ein Behelfsheim ist bewohnt. In Osterath sind als erster Versuch sechs Steinbauten im Rohbau fertig gestellt. Weitere 18 Holzbauten sind daselbst geplant. Der Aufsichtsrat bestimmt, dass die Gesamtkosten je Haus 3.000 Mark nicht übersteigen dürfen.“
Wiederaufbau und Wirtschaftswunder
1948
Die erste Aufsichtsratssitzung nach dem Krieg fand am 21. Oktober im Direktionszimmer der Kreissparkasse Kempen-Krefeld in Krefeld am Ostwall 155 statt.
1950
Reihenhäuser in Breyell, Schaager Straße um 1950
Nach der Währungsreform wurde die DM-Eröffnungsbilanz der GWG zum 21. Juni 1948 am 15. September 1950 durch Beschluss der GWG-Hauptversammlung festgestellt. Das Aktienkapital wurde in der Eröffnungsbilanz im Verhältnis 1:1 auf 400.000 DM umgestellt. Die Hauptversammlung beschloss gleichzeitig, das Aktienkapital auf 800.000 DM zu verdoppeln. Mehrheitsaktionär war der Landkreis Kempen-Krefeld mit 51%. Die Gemeinden im GWG-Geschäftsgebiet hielten unterschiedlich große Anteile. Dazu kamen noch diverse Beteiligungen wie z.B. der Edelstahlwerke Krefeld (8,25%) und der Stadt Krefeld (8,125%).
1951
Im November des Jubiläumsjahres 1951 bezog die GWG die im Neubau der Kreissparkasse Kempen-Krefeld, Krefeld, Ostwall 155, gemieteten neuen Geschäftsräume. Erstmals nach Wiederaufnahme der Geschäftstätigkeit nach dem Krieg erschien ein Geschäftsbericht, der zusammen mit der Jubiläumsbroschüre das älteste erhaltene Druckwerk der GWG ist.
Energisch zog die GWG gegen die bürokratische Praxis zu Felde, die Bewilligung der Landesmittel für Neubauten mit der Wohnungsvergabe an bestimmte Personenkreise zu verknüpfen (Geschäftsbericht 1951, S. 14): „Es hat keinen Sinn, dem berechtigten Personenkreis Wohnungen zuzuweisen, für die er die Miete infolge seines unterdurchschnittlichen Einkommens nicht aufzubringen vermag und die er vielfach auch nicht zu möblieren imstande ist, während genügend Bewerber vorhanden sind, die die festgesetzte Neubaumiete ohne weiteres aufzubringen vermögen und auch die Räume durch volle Möblierung zu nutzen in der Lage sind.
Es wirkt schon fast grotesk, wenn sowohl die Bevorzugt-Berechtigten als auch die Bewerber einen Wohnungstausch anstreben und dieser deshalb nicht durchführbar ist, weil die Auflage des Bewilligungsbescheides für die Landesdarlehen dieser ökonomischen Lösung im Wege steht.“
Behelfsheim um 1953
1956
Der Geschäftsbericht 1956 verdeutlicht an einem Beispiel, wie die „Zweckbindung“ neue Wohnungen dem Markt vorenthält (S. 13): „Bei einem Bauvorhaben mit 14 Wohnungen waren folgende Zweckbindungen zu beachten: 7 Wohnungen waren an Wohnraumhilfeberechtigte, 2 an Schwerkriegsbeschädigte und 4 an Sowjetzonen-Flüchtlinge zu vergeben. Von den Wohnungsbewerbern mussten außerdem 7 Lastenausgleichsberechtigte sein und weitere 7 einem bestimmten Zweig der Sozialversicherung angehören. Dass in solchen Fällen nicht nur dem Bauherrn, sondern auch dem zuständigen Wohnungsamt besondere Schwierigkeiten bei der Belegung der Wohnungen entstehen, liegt auf der Hand. Eine sinnvollere Steuerung der Zweckbindungen ist unbedingt notwendig.“
1958
Das Problem der unverhältnismäßigen Zweckbindung ist auch 1958 ein Thema, wie der Geschäftsbericht im Kapitel „Wohnungsverwaltung“ (S.10) beschreibt: „Auch im abgelaufenen Geschäftsjahr waren besondere Schwierigkeiten bei der Erfüllung der weitgehenden Bindungen der erstellten Wohnungen zu überwinden. Fertig gestellt wurden 1958 225 Wohnungseinheiten (WE); davon waren 188 WE (83%) für bestimmte Personenkreise vorgesehen, während dem freien Wohnungsmarkt nur 37 WE zur Verfügung gestellt werden konnten. Die Abschwächung der örtlichen Wohnungsnachfrage war daher nur gering. Wir haben seit der Währungsreform bis Ende 1958 insgesamt 2.930 WE erstellt, davon waren 2.341 WE für einen bestimmten Wohnungskreis gebunden, und 589 WE waren frei verfügbar.“
Peter Van Vlodrop mit Konrad Adenauer 1965
1966
Auf Beschluss der Hauptversammlung wurde eine Satzungsänderung vorgenommen, wonach die Gesellschaft auch als Sanierungsbetreuerin tätig werden konnte. In den Siebziger Jahren tritt die GWG in den Ortskernen von Breyell, St. Tönis und Grefrath als Sanierungsträger in Erscheinung.
1. Spatenstich für das Höhenbad 1966
1968
Die bis in die Sechziger Jahre hinein beklagte, unverhältnismäßig hohe Zweckbindung der erstellten Neubauwohnungen ist fast ganz entfallen. Nur noch in einigen Fällen behält sich die Gesundheitsbehörde die Belegung von Wohnungen vor. So waren Vierraumwohnungen mit einer durchschnittlichen Wohnfläche von 89 qm für kinderreiche Familien bestimmt.
Sozialer Wohnungsbau im Wandel
Rohbau in Breyell-Speckerfeld 1973
1975
Der Namensänderung des ehemaligen Kreises Kempen-Krefeld in Kreis Viersen trug die Hauptversammlung durch Beschluss am 16. Juni 1975 Rechnung. Die GWG firmiert seither unter „Gemeinnützige Wohnungsgesellschaft für den Kreis Viersen Aktiengesellschaft“.
1976
Zum Bilanzstichtag des Jubiläumsjahres am 31. Dezember 1976 beträgt der Wohnungsbestand der GWG 4.389 Wohnungen und 1.224 Garagen. Seit der Währungsreform und nach Wiederaufnahme der Geschäftstätigkeit hat die Gesellschaft 2.822 Häuser mit 7.155 Wohneinheiten gebaut, darunter 835 Miethäuser (3.924 WE), 1.747 Eigentumsmaßnahmen (2.668 WE) und 240 betreute Maßnahmen (563 WE).
Aktionäre der Gesellschaft sind der Kreis Viersen mit 52,73%, die Sparkasse Krefeld mit 18,33%, die Städte und Gemeinden des Kreises Viersen mit 23,89%, die Stadt Meerbusch im Kreis Grevenbroich (heute: Kreis Neuss) mit 2,89%, die Stadt Krefeld mit 1,12% und Sonstige mit 0,95%.
1980
Die mit einer Ausnahmegenehmigung des NRW-Innenministers betreuten jeweiligen Erweiterungen der Kreisberufsschulzentren in Kempen und Dülken wurden im Frühjahr ihrer Bestimmung übergeben.
1983
Rückwirkend zum 31. Dezember 1982 übernahm die GWG den Gemeinnützigen Bauverein Kempen-Hüls eG, der als Grundvermögen sieben Miethäuser mit 34 Wohnungen und elf Garagen, ein unbebautes Grundstück (ca. 36.000 qm) in Kempen, Vorster Straße, eine Doppelhaushälfte mit Garage sowie ein freistehendes Eigenheim aufwies.
1987
GWG-Chef Peter Van Vlodrop zeichnete vor der Presse den Trend, dass sich die GWG auf Dauer von einer Baugesellschaft hin zu einer reinen Wohnungs-Verwaltungsgesellschaft entwickeln werde. Die Hausbewirtschaftung trug fast die Hälfte zum damaligen Jahresüberschuss von 2,3 Mio. DM bei, während die Erlöse aus dem Verkauf von Neubauten und unbebauten Grundstücken sowie aus der Baubetreuungs- und Sanierungstätigkeit kontinuierlich geringer wurden.
Die Normalisierung auf dem Wohnungsmarkt im Kreis Viersen schlug sich für die GWG in einem signifikanten Rückgang der Leerstände nieder. Noch 1985 hatten 69 Wohnungen unvermietet leer gestanden; zwei Jahre später waren lediglich sechs der 4.384 GWG-Wohnungen unvermietet.
1989
Die dramatischen Umbrüche im Ostblock mit dem Mauerfall in der DDR und dem Zusammenbruch der alten Sowjetunion bewirkten einen unvorhersehbaren Umschwung auf dem hiesigen Wohnungsmarkt. Durch den Zustrom von DDR-Übersiedlern und Aussiedlern aus Osteuropa verschärfte sich plötzlich der Mangel an preiswerten Mietwohnungen. Die GWG reagierte schnell und flexibel und forcierte nach einer Phase relativer Ruhe den Neubau von Mietwohnungen mit z.B. über 50 Wohneinheiten in den Meerbuscher Ortsteilen Osterath und Lank.
1990
Die Nachfrage nach Mietwohnungen war besonders groß in Süchteln, Kempen, Willich, Lank und Osterath, wo insgesamt über 600 Bewerbungen vorlagen. Zur Behebung der Wohnraummisere legte der Kreis Viersen ein Sonderprogramm auf, aus dem als erstes größeres Projekt zwei Mehrfamilienhäuser in Süchteln, Höhenstraße, gefördert wurden. Da auch das Land NRW entgegen der ursprünglichen Absichten öffentliche Mittel bereitstellte, konnte die GWG alle Kräfte auf den Mietwohnungsbau konzentrieren und den Bedarf teilweise decken.
1992
Mit Blick auf die verstärkten Neubauaktivitäten und auf die notwendig werdenden Investitionen für Instandhaltung und Modernisierung musste dem GWG-Vorstand an einer Stärkung des Eigenkapitals gelegen sein. Die Bestandspflege entwickelte sich zu einem Sorgenkind, da der Gesamtaufwand bei weitem die Summe überschritt, die über die bewilligten Instandhaltungspauschalen in den Wirtschaftlichkeitsberechnungen für die Mieten enthalten waren. So erhöhten sich allein im Geschäftsjahr 1992 die Investitionen in die 4.465 Mietwohnungen um 1,2 Mio. DM auf 8,3 Mio. DM.
Mit Blick für die Zukunft
1993
Mit dem Verkauf von unbebauten Grundstücken verschaffte sich die GWG finanziellen Spielraum für die anstehenden Investitionen. GWG-Vorstand Van Vlodrop bewertete dies bei der Bilanz-Pressekonferenz allerdings ganz nüchtern so: „Infolge der verminderten Grundstücksvorräte wird sich das in den kommenden Jahren kaum wiederholen lassen. Stattdessen wird dem Ergebnis der Hausbewirtschaftung und hier vor allem der Entwicklung der Instandhaltung eine entscheidende Bedeutung zukommen.“
1994
GWG-Vorstand Siegfried Seidel, seit 1. Juli 1994 Nachfolger des ausgeschiedenen Peter Van Vlodrop, nannte die Förderung von Wohneigentum für Familien mit Kindern als eine der wichtigsten Aufgaben der GWG für die Zukunft. Um die Bau- und Bodenkosten möglichst gering zu halten, beschritt die Gesellschaft in Zusammenarbeit mit den planenden Architekten neue Wege. Durch eine weitgehende Standardisierung der Reihenhaustypen, durch verstärkten Einsatz von vorgefertigten Bauteilen und durch günstige Grundstückszuschnitte soll Wohneigentum auch für junge Familien mit Kindern erschwinglich gemacht werden.
Für die Investitionen in die Modernisierung ihrer Wohnungen erschloss die GWG eine neue Einnahmequelle. In den nächsten Jahren bot die Gesellschaft den derzeitigen Mietern von älteren Ein- und Zweifamilienhäusern aus Baujahren vor 1930 die Objekte zum Kauf an. Eine gute Idee, wie sich herausstellen sollte.
über das traditionelle Kerngeschäft Neubau und Vermietung hinaus erweiterte die GWG ihr Dienstleistungsangebot. Beim Neubau des Technologie- und Gründerzentrums in Kempen übte die Gesellschaft z.B. eine Controllertätigkeit aus, und im Auftrag der Sparkasse Krefeld übernahm man neben der kaufmännischen auch die technische Verwaltung der Sparkassen-Immobilien, die Betreuung der Filialen inbegriffen. Im Jargon nennt sich dies „Facility Management“.
1995
Bei den Neubauprojekten konzentrierten sich die Aktivitäten zunehmend auf Planung und Bau von Eigenheimen für so genannte „Schwellenhaushalte“, beispielsweise für junge, kinderreiche Familien, die sich dank steuerlicher Förderung den Traum von den eigenen vier Wänden erfüllen können. Angesichts steigender Baukosten suchte die GWG nach Lösungen für Kosten sparendes Bauen. Dabei erwiesen sich vor allem die steigenden Grundstückspreise als kostentreibender Faktor, die in Einzelfällen bereits rund ein Drittel der Gesamtkosten eines Reiheneigenheimes ausmachten. Da die potenziellen Käufer jedoch kaum Abstriche bei Konzeption und verwendeten Baumaterialien hinnehmen wollten, die Kosten also allein durch „weniger Haus“ gesenkt werden konnten, war die Kreativität der Planer gefragt, die Reduzierung der Wohnfläche durch ein besseres Ausbauverhältnis zu kompensieren.
1996
Der Neubau von Eigenheimen für jungen Familien und die Modernisierung des Wohnungsbestandes kristallisieren sich in der zweiten Hälfte der 90er Jahre weiter als Säulen der GWG-Geschäftsaktivitäten heraus, wohingegen der Geschosswohnungsbau stark rückläufig tendierte.
Eines der größten Neubauprojekte dieser Jahre ist die Errichtung von 38 Reiheneigenheimen und 18 Eigentumswohnungen in dem neu erschlossenen Baugebiet Willich-Wekeln, die in Bauträgerschaft der GWG entstanden.
DerWohnungsmarkt hatte sich nach dem vorübergehenden Aussiedler-Zustrom wieder verändert. Die GWG registrierte nun eine wachsende Zahl von Wohnungskündigungen, während die Bewerber nicht gerade Schlange standen. Dabei wirkten sich Miethöhe, das Wohnumfeld und die Ausstattung der Wohnungen oft als Miethindernisse aus. Um bei sinkender Nachfrage ein konkurrenzfähiges Wohnungsangebot im Vergleich zum freien Wohnungsmarkt machen zu können, startete die GWG neben der normal anfallenden Instandhaltung ein Modernisierungsprogramm. Allein 1996 wurden 244 Wohnungen mit Zentralheizung ausgestattet. Investitionsvolumen für Modernisierung und Instandhaltung allein in diesem Geschäftsjahr: 11,4 Mio. DM.
Auf unvermindert große Gegenliebe stieß die Initiative, Häuser aus dem Altbesitz der Baujahre zwischen 1920 und 1930 „in sozial vertretbarem Rahmen“ an die jeweiligen Mieter zu verkaufen. Mit den erlösten Einnahmen – 1996: 4,2 Mio. DM aus dem Verkauf von 25 Häusern mit 50 Wohnungen – baute die GWG beispielsweise in Bracht, Hendrik-Goltzius-Straße, und Krefeld-Stahldorf, Oberschlesien- und Thyssenstraße, Dachgeschosswohnungen aus, legte Kleinstwohnungen zusammen und schaffte verbesserte Wohnbedingungen.
1997
Aufmerksam verfolgte die GWG die politische Diskussion zur Neufassung des "Wohngesetzbuches". Mit der Novellierung verband sie die Hoffnung, dass die Kostenmiete im öffentlich geförderten Wohnungsbau endlich durch eine örtliche Vergleichsmiete auf der Grundlage eines Mietspiegels abgelöst wird. Nach geltendem Gesetz übersteigt die Kostenmiete insbesondere bei Neubauten die Vergleichsmiete und führt damit zu ungewollten Verzerrungen. Darüber hinaus will das neue Wohngesetzbuch Fördermittel auch auf den vorhandenen Wohnungsbestand ausweiten, um so preiswerten Wohnraum für einkommensschwache Haushalte zu erhalten.
Im Ausblick sagte GWG-Vorstand Seidel vor der Presse: "Wie in den letzten Jahren wird der Schwerpunkt unserer bautechnischen Aktivitäten in der Bestandspflege liegen. Modernisierungen, die sich auf wärmetechnische Einrichtungen und allgemein auf die Verbesserung der Wohnraumbedingungen beziehen, werden fortgesetzt. Die finanziellen Mittel für das geplante Instandhaltungs- und Modernisierungsprogramm schöpfen wir zu einem erheblichen Teil aus dem sozialverträglichen Verkauf von Althäusern."
Dadurch reduzierte die GWG ihren Mietwohnungsbestand sukzessive von 4.673 Einheiten im Rekordjahr 1994 auf 4.559 in 1997. Die Gesamtaufwendungen für Modernisierung und Instandhaltung erreichten 1997 eine neue Höchstmarke: 15,4 Mio. DM.
1998
Die Entwicklung des Wohnungsmarktes zu einem Mietermarkt setzte sich weiter fort, will meinen: Aus einem Überangebot hat der Mieter bei der Wohnungssuche die freie Auswahl. Besonders in Hochhausanlagen führte die rückläufige Nachfrage "zu ernstzunehmenden Leerständen", erläuterte der GWG-Vorstand in der Bilanzbesprechung. Eine Kündigungsquote von 20 Prozent führte zu einer hohen Fluktuation und ließ sich durch Neuvermietung auch dann nicht völlig ausgleichen, wenn in Einzelfällen der Mietpreis reduziert wurde.
Diesem Trend versuchte die Gesellschaft mit gezielten Schritten zur Verbesserung des Wohnumfeldes zu begegnen. So wurde beispielhaft mit dem Caritasverband ein Betreuungskonzept für den Wohnkomplex Süchteln-Höhenstraße initiiert, über das im weiteren Verlauf noch berichtet wird.
Die Geschäftstätigkeit der GWG konzentrierte sich vor diesem Hintergrund darauf, ihren Wohnungsbestand durch neue Heizungsanlagen und isolierverglaste Fenster zu modernisieren und damit für die Vermietung attraktiver zu machen, zumal sich die Mietnebenkosten für Heizung durch die Einführung der Ökosteuer weiter verteuerten.
Die Neubauaktivitäten als zweites Bein dienten in erster Linie nach wie vor der Schaffung von Wohneigentum. In diesem Marktsegment registrierte die GWG aufgrund des niedrigen Zinsniveaus und der steuerlichen Förderung weiterhin eine verstärkte Nachfrage.
1999
Als Hauptursachen für Leerstände und Fluktuationsrate sagte der GWG-Vorstand vor der Presse: "Kündigungsgründe sind hauptsächlich Unzufriedenheit mit dem Wohnumfeld wie z.B. in den Hochhausanlagen, aber auch der Erwerb von Wohneigentum. In den größeren Wohnanlagen sind wir gefordert, den negativen gesellschaftlichen Erscheinungen entgegenzuwirken." Das Phänomen der zunehmenden Mietrückstände sei auch darauf zurückzuführen, dass sich unter den Haushalten im sozialen Wohnungsbau eine schleichende Überschuldung ausbreitet.
Der GWG-Vorstand mahnte dringend Reformen im sozialen Wohnungsbau an, wozu eine Reform des Wohngeldes ebenso gehöre wie der Wegfall der Fehlbelegungsabgabe, aber auch die Einführung der Vergleichsmiete anstelle der Kostenmiete sowie eine gleichwertige Förderung der Modernisierung des Wohnungsbestandes. Zudem wünschte sich die GWG "wohnungspolitische Reformen, die den sozialen Frieden bewahren oder wiederherstellen".
2001
In diesem Jahr feierte die GWG ihr 100-jähriges Bestehen. Seit Beginn des Jubiläumsjahres ist Diether Thelen Vorstandsmitglied. Höhepunkt der 100-Jahr-Feier war am 22. Juni ein Festakt in der Albert-Mooren-Halle in Grefrath. Vor 350 geladenen Gästen stellte Landrat Dr. Hans-Christian Vollert die Verdienste des Unternehmens heraus: „Zehn mal zehn Jahre Bauleistung, Bauberatung und Baubetreuung für Geringverdienende, vor allem für Familien mit Kindern – die GWG ist im Kreis Viersen unverzichtbar auf Grund ihrer hervorragenden Leistungen.“ Auch unsere Mieter feierten mit uns Geburtstag. Bei drei Mieterfesten in Süchteln, Breyell und Lank hatten Jung und Alt jede Menge Action, Spiel und Spaß.
2002
Nach 100 Jahren am Standort Krefeld ist die GWG umgezogen und seit 18. März in Viersen im neu errichteten Komplex „Haus der Wirtschaft“ zu erreichen. Dieser Standortwechsel ist für uns mehr als nur ein reiner Ortswechsel; tatsächlich zeigen wir jetzt Flagge in der größten Stadt und zugleich am Verwaltungssitz unseres Kern-Geschäftsgebietes. Dieses Bekenntnis zum Kreis Viersen hat aber auch einen sehr pragmatischen Hintergrund: Für die Mehrzahl unserer Geschäftspartner, denen wir seit Jahren verbunden sind, liegt Viersen näher als Krefeld. Zudem verfügen wir in unserem neuen Domizil über optimale räumliche und technische Voraussetzungen für eine effiziente und partnerschaftliche Zusammenarbeit.