Am 21. Juni 2004 gab die Gemeinnützige Wohnungsgesellschaft für den Kreis Viersen AG (GWG) den Startschuss zum Umbau der Wohnanlage Höhenstraße 44-50 im Viersener Stadtteil Süchteln.
Abschnittsweise wurden seither Eingangsbereiche, Treppenhäuser und Fassaden der vier Häuser erneuert und in einem weiteren Schritt auch die Außenanlagen umgestaltet.
Für die Modernisierung und Erneuerung hat das Land NRW Fördermittel in Höhe von 835.000 € bewilligt. Den Bewilligungsbescheid erhielt die GWG von der Stadt Viersen als Bewilligungsbehörde. Insgesamt beläuft sich die Investition auf 2,8 Mio. €.
Die Vorgeschichte
Der vier Gebäude umfassende Wohnkomplex der GWG an der Höhenstraße in Süchteln wurde zwischen 1975 und 1981 errichtet und beherbergt 106 Sozialwohnungen. Seit Jahren war hier eine überdurchschnittliche Mieterfluktuation festzustellen.
In der Dortmunder Vorortsiedlung Klarenberg fand die GWG ein gelungenes Projekt, wie ein von der Struktur und den Problemen her vergleichbarer Wohnkomplex durch konsequente Umgestaltung attraktiver und wohnlicher wird. Der dafür verantwortliche Architekt Andreas Hanke wurde für das GWG-Objekt in Süchteln verpflichtet.
Die schöne Lage des Komplexes mit attraktiver Aussicht über die Süchtelner Höhen gab den Anlass zur Idee einer optischen Zusammenführung von Wohngebäude und Natur.
Neben der angestrebten größeren Mieterzufriedenheit verfolgte die GWG auch wirtschaftliche Ziele: Senkung der Fluktuationsrate und Vollvermietung.
Gespräche gesucht, Mieter beteiligt
Seit der Mieterversammlung im Februar 2003 im Webersaal in Süchteln, wo die Pläne zum Umbau der Wohnanlage Höhenstraße erstmals vorgestellt und diskutiert wurden, haben alle Beteiligten dieses Sanierungsprojektes immer wieder das Gespräch mit den Mietern gesucht und ihre Meinungen und Wünsche erfragt.
So besuchte Monika Dax, Leiterin des „Treffpunktes“, der seit 1998 in Kooperation mit dem Caritasverband existiert, die Mieter und erfuhr, dass die geplante Videoüberwachung in der Anlage von der überwiegenden Mehrheit begrüßt wird. Einige Bewohner waren bereit, für die Außenanlagen Patenschaften für Pflanzbeete zu übernehmen. Gleichzeitig fanden in den Treppenhäusern „Hausflurgespräche“ statt, bei denen auf Plänen die Baumaßnahme erläutert wurde.
Im Mai 2004 wählten die Bewohner etagenweise „ihr“ Blumenmotiv als Wiedererkennungselement aus, wobei die Grundfarbe für jedes Haus vorgegeben war. Darüber kamen die Nachbarn miteinander ins Gespräch und einigten sich fast immer einvernehmlich. Mehr als acht von zehn Mietern machten von dieser Beteiligung Gebrauch.
Sommerferienprogramm
Das Sommerferienprogramm bot eine Beteiligungsaktion für Kinder und Jugendliche zur Neugestaltung der rückwärtigen Außenanlagen. Für Ideen sorgten eine Spielplatz-Rallye, Spielaktionen und Ausflüge zu Spielplätzen.
Als besondere Aktion gestalteten die Kinder in einer Bildhauerwerkstatt aus Holz große Hände, die auf Stangen befestigt einen Platz in der Anlage gefunden haben. In einer Planungswerkstatt mit dem Landschaftsarchitekten wurden Vorschläge für die Gestaltung der Außenanlage besprochen. Darauf folgte die Modellbauaktion, wo die Kinder und Jugendlichen ihre Wünsche kreativ zum Ausdruck brachten. Auf einem Modellbauerfest wurden die Objekte der Öffentlichkeit vorgestellt.
Insgesamt nahmen bis zu 25 Kinder und Jugendliche im Alter von vier bis 15 Jahren an den Aktivitäten teil.
Eröffnung mit Mieterfest
Am 18. Juni 2005 dann, genau ein Jahr nach Baubeginn, feierte die GWG mit Mietern, Nachbarn sowie den am Bau Beteiligten an einem Tag der offenen Tür die Fertigstellung der Wohnanlage Höhenblick.
Alle Beteiligten hatten Grund zu strahlen: die Mieter, weil nach einem Jahr Lärm und Staub nun wieder Ruhe an der Höhenstraße eingekehrt ist und sich ihre Wohnumgebung wie neu präsentiert; Aufsichtsrat, Vorstand und Mitarbeiter der GWG, weil ein ungewöhnliches und aufwändiges Projekt einen guten Abschluss gefunden hat; Architekt Andreas Hanke und die anderen Männer vom Bau schließlich, weil sie viel berechtigtes Lob für ihre Arbeit kassierten.
Wer heute die GWG-Häuser an der Höhenstraße 44-50 besucht, kann sich in der Tat den früheren Zustand kaum noch vorstellen. So harmonisch, so selbstverständlich wirken die großzügigen, lichtdurchfluteten, farbenfrohen Eingangsbereiche und Treppenhäuser der vier Wohnblocks aus den 60er Jahren – als wären sie schon immer da gewesen und nicht zuvor dunkle, enge, unübersichtliche Ein- und Aufgänge.
Jeder Hausflur hat jetzt seine eigene Leitfarbe: in Haus 44 dominiert orange, in 46 grün, in 48 violett und in 50 rot.
Renovierter Wohnraum
Doch auch im unmittelbaren Wohnbereich hat sich einiges getan. Bereits vor Beginn des eigentlichen Umbaus wurden Dächer und Fenster saniert. Wohnungen, die über die Laubengänge zu erreichen sind, übernahmen diese Flächen jetzt in ihren unmittelbaren Wohnbereich. Die während des Umbaus leer stehenden bzw. werdenden Wohnungen blieben zunächst unvermietet. Wo erforderlich nahm die GWG eine gründliche Renovierung vor. Bei einem Teil wurden die Bäder komplett neu gefliest und die sanitäre Keramik erneuert.
Für diese komplett modernisierten Wohnungen verlangt die GWG eine Miete von 4,50 Euro/qm, für die renovierten Einheiten 4,25 Euro. Dagegen wird der Mietpreis für die „alten“ Mieter der Höhenstraße ab Oktober nur geringfügig von 3,85 auf 4,05/qm angehoben – und das wegen der neuen Fenster.
Dass die Wohnanlage Höhenblick jetzt eine gute Adresse ist, spricht sich in Stadt und Kreis langsam herum. Für die 30 unvermieteten der insgesamt 105 Wohnungen wurden innerhalb kurzer Zeit nach der Fertigstellung bereits acht neue Mieter gefunden. Das Ziel der GWG ist realistisch: Vollvermietung.
Die neue Wohnzufriedenheit
Den Mietern gefällt die neue Wohnsituation ausnehmend gut, bestätigen Hausmeisterin Adelheid Tillen und „Treffpunkt“-Leiterin Monika Dax aus vielen Gesprächen und Begegnungen. Vergessen ist der Stress während der langen Bauphase. Jetzt wird gelebt und genossen, mit Stolz den Freunden und Bekannten das völlig umgestaltete Zuhause vorgeführt.
Es sind die kleinen Zeichen, die Aufschluss über die neue Zufriedenheit geben. Obwohl Klingel- und Briefkastenanlagen bereits seit Monaten in Betrieb sind, findet sich kein einziger Hinweis auf Vandalismus. Keine Farbschmiererei, kein Zeichen roher Gewalt. Der wie hochwertiges Parkett anmutende Fußboden der Eingangshallen und Flure ist sauber; die riesenhaften Wandbilder von Blumen unberührt.
Diskrete Sicherheitstechnik
Einen besonderen Anteil an diesem Wohlgefühl hat das Conciergekonzept und die damit verbundene diskrete, aber sehr effiziente Sicherheitstechnik.
Concierge Anatolij Weidenbach sitzt in seinem Empfangsbereich in Haus 44, ist aber Respektsperson und Ansprechpartner für alle Mieter. Dem freundlichen Deutschen russischer Herkunft entgeht nichts. Videokameras an neuralgischen Punkten der Wohnanlage geben Einblick über die Vorgänge und vermitteln einerseits ein angenehmes Gefühl der Sicherheit, schrecken jedoch andererseits mögliche Vandalen und Störer ab.
Als besondere Attraktion erweisen sich die Flachbildschirme an den Wänden der Eingangs-Foyers. Die moderne Kommunikationstechnik erlaubt es dem Concierge, gezielt Nachrichten für die Mieter zu platzieren und dabei auch individuelle Informationen z.B. über abholbereite Paket- oder Einschreibsendungen zu geben.
Vor den Häusern 44 und 50 stehen haushohe Gräser-Skulpturen als neue Wahrzeichen der Wohnanlage.
Belegungskonzept
Mit der Fertigstellung des Projektes soll ein neues Belegungskonzept die ausgewogene Mischung der Mieter sicherstellen. Grundsätzlich wird die Belegungsbindung aufrecht erhalten.
Neben Familien und Einzelpersonen mit Kindern will die GWG mit Blick auf die Bevölkerungsentwicklung vor allem den Senioren attraktiven Wohnraum bieten. Die Barrierefreiheit bietet die technischen Voraussetzungen dafür.
Dem Sicherheits- und Hilfebedürfnis der alten Mieter trägt der Concierge-Service Rechnung. So kann der Concierge sogenannte Wohlauf-Anrufe machen, kleinere technische Dienstleistungen durchführen, bei längerer Abwesenheit Blumen gießen, Pakete annehmen und auch Hilfe beim Einkaufen oder bei Krankheit leisten.