Sanierte Siedlungshäuser an der Martin-Rieffert-Straße als Eigentum
GWG baut in zweiter Reihe für stadtnahes Wohnen zur Miete
Mehrere Jahre lang stand die Zukunft der alten Siedlungshäuser an der Martin-Rieffert-Straße 55-77 in Willich im Fokus öffentlicher Diskussionen. Jetzt ist es amtlich: Die Häuser, bisher im Besitz der GWG für den Kreis Viersen, bleiben stehen, werden durch den Willicher Bauträger W. Paschertz Grundstücks GmbH grundlegend saniert und als Wohneigentum vermarktet. Auf den weitflächigen Grundstücken hinter der alten Reihenbebauung wird die GWG zwei Mehrfamilienhäuser und sechs Reihenhäuser zur Miete errichten.
Die Vergangenheit
Vor gut 80 Jahren baute die „Gemeinnützige Aktien-Baugesellschaft für den Landkreis Crefeld“, die spätere GWG, am Rand des alten Willicher Ortskerns eine Reihe von zweieinhalbgeschossigen Siedlungshäusern, ausgestattet mit solidem Mauerwerk und dunkelroten Backsteinklinkern. Zwei Familien wohnten in jedem dieser Reihenhäuser, die in drei Vierergruppen zusammengefasst und über jeweils zwei Eingänge von der Seite bzw. von der Straße erschlossen waren.
Große Gärten ermöglichten den Bewohnern in den mageren Jahren, gerade auch nach dem Krieg, die Selbstversorgung mit Obst und Gemüse. An die später zitierte „grüne Lunge“ und die Idylle dürfte in dieser Zeit niemand einen Gedanken verschwendet haben. Die Familien waren zuverlässige und angenehme GWG-Mieter und investierten über die Generationen hinweg viel Eigenleistung in ihre Wohnungen.
Gleichwohl boten die Häuser irgendwann im Laufe der Zeit bauphysikalisch und von den Ausstattungsmerkmalen her Wohnungen, die nicht mehr den Standards des modernen sozialen Wohnungsbaus entsprachen. Aus verschiedenen Gründen kam auch die anderenorts praktizierte Geschäftspolitik der GWG nicht in Frage, Mietern älterer Häuser aus den Baujahren vor 1930 die Objekte zum Kauf anzubieten.
So stand die GWG aus wirtschaftlichen Gründen schließlich vor der Frage: Abriss, Neubebauung oder was? Unter dem Aspekt des Denkmalschutzes war der Erhalt der Bausubstanz nicht geboten. Dennoch waren die Stimmen, diese zeittypische Bebauung als stadtbildprägend zu erhalten, ernst zu nehmen.
Hier nun beginnt die neue Geschichte über die Zukunft der Siedlungshäuser an der Martin-Rieffert-Straße.
Die Zukunft
Die Martin-Rieffert-Straße ist benannt nach dem Willicher Bürgermeister der Jahre 1887 bis 1923. Bis zum Willicher Zentrum mit allen Einkaufsmöglichkeiten sind es nur wenige Minuten zu Fuß. „Eine sehr gute Wohnlage“, findet Christian Paschertz, Geschäftsführer des Bauträgers, der die Objekte aus dem Bestand der GWG erworben hat. Durch eine grundlegende Sanierung aller Gewerke von der Fassade bis zu den Installationen werden die zwölf Häuser mit den Hausnummern 55-77 auf den Stand von heute gebracht, was Wohnkomfort und Haustechnik betrifft, kombiniert mit dem individuellen Charme alter Häuser.
Zu diesem Ziel wird Investor Paschertz die Fassade sandstrahlen, Klinker erneuern und neu verfugen lassen. Die Häuser erhalten neue Fenster und damit ein attraktives harmonisches „Gesicht“. Eine moderne Heizungsanlage sowie eine neue Hauselektrik stehen ebenfalls im Pflichtenheft des Familienunternehmens mit 25jähriger Erfahrung in Willich. Durch Entkernung der kleinteiligen Wohnraumaufteilung können größere helle Räume in dem acht Meter breiten und neun Meter tiefen Baukörper geschaffen werden. Die neuen Grundstücksgrößen nach der Aufteilung betragen zwischen 180 und 270 qm.
Bei der individuellen Ausgestaltung der voll unterkellerten Häuser mit gut 100 qm Wohnfläche setzt Paschertz auf das Baukastenprinzip und volle Flexibilität: „Wir bieten alles an. Allerdings hat der Käufer die freie Wahl, kann eigene Vorstellungen verwirklichen und seine Eigenleistung einbringen. Was wir wollen, ist ein erschwingliches Eigenheim im Zentrum von Willich zu ermöglichen.“ Zu den Optionen gehört auch der Anbau eines bis zu drei Meter tiefen Wintergartens. Teilweise werden die Häuser mit Garage angeboten. Mit dem Verkauf will Christian Paschertz im kommenden Frühjahr beginnen.
Martina Stall, Technische Beigeordnete der Stadt Willich, weist auf den Bebauungsplanentwurf 15-1 W und ist „einerseits froh, dass die Häuser erhalten bleiben und sich jemand gefunden hat, der das Sanierungsprojekt durchführt. Andererseits schlagen wir zwei Fliegen mit einer Klappe, da die GWG im inneren Bereich neuen Wohnraums schafft und dabei nach dem städtebaulichen Leitmotiv ‚Innenentwicklung vor Außenentwicklung’ sinnvoll und schonend mit Grund und Boden umgeht.“
Nach erfolgter Grundstücksteilung wird die GWG abschnittsweise - quasi in zweiter Reihe - zwei „Punkthäuser“ mit jeweils sechs Wohneinheiten und sechs Reihenhäuser errichten. Erschlossen werden die Neubauten über eine Stichstraße mit Wendehammer in Nord-Süd-Achse von der Neusser Straße aus; Gärten und Grünanlagen liegen in östlicher Ausrichtung. Für alle Objekte werden genügend Stellplätze zu Beginn der Stichstraße vorgehalten.
Als konzeptionelles und gestalterisches Vorbild dient, so GWG-Vorstand Diether Thelen, die Bebauung im Neubaugebiet am Lobbericher Wasserturm. So bieten die beiden Mehrfamilienhäuser jeweils sechs, also insgesamt zwölf Mietwohnungen mit einer Gesamtwohnfläche von mehr als 900 Quadratmetern. Es gibt Zwei-, Drei- und Vier-Zimmer-Wohnungen zwischen 58 und 91 Quadratmeter Wohnfläche. Besonderes Kennzeichen: Alle Wohnungen sind barrierefrei und eignen sich damit vorzüglich für ältere und behinderte Mieter.
An junge Familien wenden sich die Reihenhäuser mit Wohnflächen von 115 qm und einer kindergerechten Raumaufteilung. Im letzten Schritt der Baumaßnahme entstehen an der Neusser Straße 51-53 zwei zweigeschossige Haushälften mit jeweils zwei 60 bis 70 qm großen Wohnungen.